schule mit respekt.

teachers are respectable only as they respect

Idee

Seit Jahrhunderten hält sich die Klage, der heranwachsenden Generation fehle es an Disziplin und vor allem Respekt ihren Paukern gegenüber (> Die Jugend von heute). Wie kann es sein, dass sich die Jugend scheinbar so renitent zeigt und deren Kinder genauso wie die Kindeskinder? Und wie kann es sein, dass immer wieder auch Lehrer dazwischen sind, bei denen es dieses „Respektsproblem“ nicht gibt? Entweder verschafft sich diese Lehrperson über ihre Machtposition „Respekt“, so dass die Pennäler aus Furcht vor dem Machtgebrauch des Lehrers vor potentiell „abweichenden“ Handlungen zurückschrecken. Oder aber der Pauker schafft es, dass die Schüler ihn auch ganz ohne Repressionen respektieren. Nämlich indem er die Kids, so wie sie sind, respektiert. Somit ist Respekt vor allem eine Frage der Haltung, die sich sich in Denken und Handeln widerspiegelt und so für das Gegenüber spürbar wird.

In einer schule mit respekt soll es nicht um die sogenannte „Kuschelpädagogik“ gehen oder für einen „Laissez-faire“-Erziehungsstil bzw. für eine Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler plädiert werden. Ein Lehrer bleibt ein Lehrer – und kann dennoch eine Vertrauensperson sein. Das bedeutet aber auch, dass er eine beträchtliche Verantwortung besitzt, was die Entwicklung bzw. die Mitgestaltung der Entwicklungsvoraussetzungen seiner anvertrauten Schüler angeht. Ein Lehrer, der in seiner Rolle für jeden Schüler bedeutungsvoll ist – ob er diese Rolle nun konstruktiv und entwicklungsfördernd ausfüllt oder nicht – beeinflusst mit, wie der Heranwachsende sich selbst sieht, sich selbst in der Gruppe betrachtet, wie er mit anderen agiert, was er sich zutraut (> Kinder verstehen). Wenn das Kind oder der Jugendliche sich als Mensch, ganz so wie er ist, von seinem Lehrer respektiert fühlt, egal ob er nun etwas Schulisches leistet oder nicht, stehen die Chancen gut, dass er sich selbst vertraut, sich etwas zutraut und vielleicht sogar über sich hinauswächst.

Aber was tun, wenn dann doch mal Grenzen überschritten werden, wenn es auf der einen oder anderen Seite hochkocht oder einfach unbedacht auf eine Weise gehandelt wird, die das Gegenüber kränkt (> Grenzrespekt)? Was kann man tun, um die Situation aufzufangen, ohne Bedürfnisse langfristig zu verletzen? Welches sind überhaupt meine eigenen Bedürfnisse – als Lehrer sowie als Privatperson – und wie artikuliere ich diese so, dass sie gehört und respektiert werden (> Bedürfnisse im Fokus)? Wie funktioniert ein vertrauensvoller Umgang im Schulalltag, ohne dass für ein geregeltes Unterrichtsgeschehen notwendige Grenzen übertreten werden? Diese und viele weitere Fragen sollen in diesem Blog diskutiert werden.

Wenn man das erste Mal vor einer Klasse steht, sieht man sich einem Berg didaktischer, methodischer, vor allem aber pädagogischer Herausforderungen entgegen. Als eine der größten Hürden scheint es, Zugang zu den Schülern zu bekommen und gleichzeitig seine Position als zu respektierete Lehrperson zu etablieren und langfristig zu wahren. Auf dem langen Ausbildungsweg hat man zwar gelernt, den Unterricht entlang des Lehrplans sowie der gesteckten Kompetenzziele und im Idealfall orientiert an der Lebenswirklichkeit der Schüler didaktisch und methodisch tadellos zu planen. Ob diese Planung dann aber auch so durchführbar ist, hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab; und allen voran von der Beziehung zu und innerhalb der Klasse, die sich irgendwann zu etwas entwickelt, was allgegenwärtig ist, in der Regel von allen gespürt wird, die Lernprozesse intensiv beeinflusst, aber nicht allzu leicht objektiv greifbar ist: dem Klassenklima. Es ist komplexer als einfach nur die Summe der einzelnen zwischenmenschlichen Verbindungen in der Klasse und dennoch ist jede einzelne Beziehung von zentraler Bedeutung. Weil die Beziehungsebene, was das Verstehen von zwischenmenschlicher Interaktion angeht, oft nicht die am leichtesten verständlichste ist, kommt es hier auch bei „Schieflagen“ zu den nachhaltigsten Beeinträchtigungen (> Kränkung durch fehlende Anerkennung). Und glaubt man Watzlawick, so hat alles eine Sach- und eine Beziehungsseite – auch der noch so fachlichste Lernmoment.

Es gibt einige Lehrerinnen und Lehrer, die (nicht selten ohne es zu Wissen) eine wunderbare pädagogische Beziehungsbasis schaffen, respektvoll und wertschätzend, aber auch konsequent. Vertrauensvoll und gleichzeitig strukturgebend. Für viele – insbesondere Berufseinsteiger – ist dieser Balanceakt jedoch schwierig. Sie versuchen ihre Position dann über autoritäre Disziplinarmaßnahmen zu etablieren oder verlieren den Überblick und die Kontrolle, weil sie Kumpel sein wollen, aber am Grenzen setzen scheitern. Lehrersein heißt Führungspersönlichkeit sein, ohne aber durch die Kluft einer steilen Hierarchie das Gefühl für den Menschen hinter der Schülerrolle zu verlieren; es braucht Führung und Fühlung.

Respekt kann die Brücke sein zwischen Interesse, Verstehen & Einfühlung einerseits und strukturgebenden Maßnahmen, die den Heranwachsenden Orientierung geben sollen, andererseits. Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern kann und sollte aktiv gestaltet werden, damit Unterricht zu einer guten Lern- und Beziehungserfahrung wird, innerhalb derer fachliches und persönliches Wachstum stattfinden kann. Ihr Selbst definieren (insbesondere) Heranwachsende über den „signifikanten Anderen“, den der Lehrer – neben den Eltern und den Peers (Gleichaltrigen, Freunden, Mitschülern) – zweifellos darstellt. Diese Macht, die die Lehrperson somit besitzt, sollte mit Bedacht eingesetzt und konstruktiv verwandelt werden (> Machtgebrauch).

Somit wird es ihn diesem Blog immer wieder darum gehen, wie Beziehung von Bildungsbeteiligten (Lehrern und Schülern, aber auch im Lehrerkollegium und mit den Eltern) gestaltet werden kann, und warum echte menschliche Begegnung und schließlich Bindung in dem Kontext so wichtig ist, und welche Herausforderungen damit verbunden sind, welche Aufgaben diese an eine respektvollere Schule stellen und wie man sich gemeinsam auf den Weg machen kann.

Spannende, horizonterweiternde, „mal ganz neue“ oder „immer wieder gute“ Bücher, die mir auf dem Weg begegnen oder schon begegnet sind, teile ich unter Buchtipps!

Ich freue mich über Eure/Ihre Gedanken, Reaktionen, Erfahrungen und Ideen direkt als Kommentar zu meinen Posts oder gerne auch per Mail!

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