schule mit respekt.

teachers are respectable only as they respect

Grenzrespekt.

Alle Schüler wollen sie, wenn auch manchmal ohne es zu wissen – erst von ihren Eltern und später auch von ihren Lehrern. Und wenn sie sie nicht sehen, rufen sie so lange danach bis sie spürbar werden: Grenzen.

Warum wünschen sich Kinder Grenzen, wenn sie ohne sie doch machen könnten, was sie wollten? Warum ist Schülern ein Lehrer, „der sich auch mal durchsetzen kann“, deutlich lieber, als einer, der versucht, es seinen Schülern so recht wie möglich zu machen? Grenzen geben ihnen Orientierung und Struktur, etwas worauf sie sich verlassen können, womit sie rechnen können. Gerade Heranwachsende auf der Suche nach der eigenen Identität können mit Lehrern, die sich mit klaren Konturen positionieren, mehr anfangen, als mit dem um jeden Preis anpassungsbereiten Kuschelpädagogen.

Vielfach haben die Grenzsetzungen von Lehrern jedoch nicht primär entwicklungsfördernde und identitätsstiftende, sondern vielmehr pragmatische Gründe. Spätestens im Referendariat spüren die meisten, dass man kaum ohne Grenzsetzungen auskommt, wenn man den Fortgang des Unterrichts sichern und seine Kräfte auf die Dauer nicht mit unterrichtsaufhaltenden Endlosdiskussionen aufwenden möchte. Einer muss ja sagen, wo es lang geht, sonst läuft alles aus dem Ruder. Stimmt. Was aber passieren kann, wenn bei der Grenzsetzung vor allem das eigene Bedürfnis, also das des Lehrers, berücksichtigt wird, haben schon die Artikel Machtgebrauch und Regelverstoß gezeigt: Allzu schnell kann beim Setzen einer Grenze, eine Grenze des anderen – wenn auch ungewollt – verletzt werden.

Neben den Pflichten, die Kinder in ihrer Schülerrolle erfüllen (sollen), besitzen die Heranwachsenden eine Reihe von Rechten, für die sie insbesondere im Kontext des schuleigenen hierarchischen Rollengefüges oftmals nicht selbst einstehen (können) und die somit umso mehr schützenswert sind. Dazu gehört unter anderem das Recht auf Achtung, eigene Meinung, Gerechtigkeit und Partizipation (vgl. UN-Kinderrechte). Es geht also um respektvolle Grenzsetzung mit Respekt für die Grenzen des Anderen.

Respekt, der nicht als Angst, sondern als Achtung zu verstehen ist, entfaltet seine Wirkung vor allem über Gegenseitigkeit. Die Festsetzung und Einhaltung von Regeln ist daher insbesondere erfolgreich bei:

  1. Partizipation: wenn die Schüler – im Idealfall zu Schuljahresanfang – bei der Regelfestlegung mitwirken und somit auch ihre eigenen Bedürfnisse (Be)Achtung finden)
  2. Transparenz (wenn mögliche Konsequenzen, die bei Nichteinhaltung folgen, nicht nur im Vorhinein gemeinsam besprochen werden, sondern diese auch im direkten Zusammenhang mit der Regel bzw. dem Resultat ihrer Nichtachtung stehen)
  3. Konsequenz (wenn dem Festgelegten gerecht und konsequent – in der Reihenfolge – nachgekommen wird; was auch heißt, dass der Lehrer nicht notwendigerweise von den Regeln ausgenommen sein muss)
  4. Respektvolle Kommunikation (wenn sowohl Grenzsetzungen als auch Grenzverletzungen klar und dennoch respektvoll kommuniziert werden).

Letzteres gilt insbesondere auch für Grenzverletzungen, die sich nicht im Rahmen zuvor festgesteckter Regeln bewegen. Respektvolle Kommunikation funktioniert vor allem dann, wenn sie ehrlich gemeint ist, also wenn hinter den Kommunikationswegen, die man geht, auch eine entsprechende Haltung steht (> Eine Frage der Haltung). Jede Strategie ist nur halb so wirksam oder sogar kontraproduktiv, wenn sie „strategisch“ und nicht mit Überzeugung und Authentizität gefüllt ist.

Ich-Botschaften

Wenn ich meine Grenze artikulieren möchte, ist es am wirksamsten, wenn ich auch von „mir“ und „meinen Bedürfnissen“ spreche. Grenzsetzungen, bei denen eine (versteckte) Anklage, Drohung oder ein Verweis auf angebliche allgemeingültige Gepflogenheiten mitschwingt, sind oft wenig erfolgreich. Viele kennen es vielleicht aus der eigenen Schulzeit, was die folgende oder ähnliche Äußerungen bei ihm ausgelöst haben: Ein „Du machst immer…“, „Wenn Du noch einmal…, dann…“ oder „Es gehört sich einfach nicht, dass Du…“ hat vielleicht maximal zu widerwilliger Folgsamkeit geführt. Auch wenn es dem ein oder anderen erst einmal ungewohnt vorkommt, wird eine klar aber respektvoll artikulierte Bitte, wie „Mir ist wichtig, dass…, (weil …)“, „Es strengt mich an, wenn…, also würde ich euch bitten, dass…“ möglicherweise eher dazu führt, dass man die Grenzsetzung des Anderen respektiert.

Aktives Zuhören

Zu Grenzrespekt gehört auch, dass den Grenzsetzungen und Störungsbekundungen von Schülern Raum gegeben wird. Während einige Schüler keinen Hemmungen besitzen sich diesen Raum zu verschaffen, brauchen andere Ermutigung, Störungen zu thematisieren. Möglichkeiten hierfür können in regelmäßgigen Feedbacksitzungen (z.B. alle 8-10 Wochen), nach dem Unterricht oder bei akuten, sehr gravierenden Fällen auch in der Stunde geschaffen werden. Ein Weg, dem Schüler und seinem Anliegen respektvoll zu begegnen, ohne ihn sofort mit eigenen Einschätzungen, Bewertungen und Lösungsvorschlägen zu überrumpeln, ist das „Aktive Zuhören“. Aktiv bedeutet hierbei, dass ich meinem Gegenüber rückmelde, wie ich sein Problem und das damit verbundene Gefühl verstehe: „Jetzt bist Du total ärgerlich darüber, dass …“. Der Andere hat dann die Gelegenheit etwas richtigzustellen oder aber er erzählt mehr über sein Problem „Ja genau. Das ist total blöd, weil…“. Ein nächster Schritt wäre, ihn zu fragen, was er sich vorstellen könnte, wie das Problem zu lösen sei. Hier kann man als Lehrperson unter Umständen ergänzend auch einen eigenen Vorschlag anbringen. Zentral ist jedoch, dass der Schüler merkt, er wird mit seinem Anliegen ernst genommen, seine Gedanken und Gefühle werden respektiert und ihm wird zugetraut, eine eigene Lösung für das Problem zu finden bzw. aktiv dabei mitzuwirken.

Durch „Aktives Zuhören“ und „Ich-Botschaften“ wird (Grenz-)Respekt spürbar. Es kostet zwar nicht selten einige Überwindung sich von alten, lang geübten Reaktionsmustern zu lösen; es braucht den gedanklich „Schritt zurück“, da wo vielleicht sonst der Ärger, ein angekratzer Stolz oder verletztes Autoritätsgefühl mit einem durchgegangen wäre, um sich dann respektvoll und friedfertig begegnen zu können. Aber diese Investition in die Beziehung zu seinen Schülern zahlt sich aus. Garantiert! =)

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Kategorien:Beziehung gestalten, Beziehungsarbeit

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