schule mit respekt.

teachers are respectable only as they respect

Lebenslanges Beziehungslernen.

Lebenslanges Lernen ist momentan in aller Munde und vor allem im Bereich Lehrerbildung ein zentrales Thema. Es geht dabei vor allem darum, wie Lehrer ihre Schüler dazu befähigen können, auch über ihre Schulzeit hinaus in allen Lebensphasen bis ins hohe Alter selbstständig und selbstorganisiert in formellen und informellen Kontexten lernen können. Lehrer sind aber ja nicht nur Initiatoren, Vermittler und Coaches für die ersten Phasen des Lebenslangen Lernens bei ihren Schülern. Sie selbst befinden sich während der Ausübung ihres Berufs auch mitten in ihrem persönlichen lebenslangen Lernprozess. Aber welche Rolle spielt dieser im Lehrerberuf eigentlich?

In dem Bericht „Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (2004: 13) heißt es „Lebenslanges Lernen umfasst alles formale, nicht-formale und informelle Lernen an verschiedenen Lernorten von der frühen Kindheit bis einschließlich der Phase des Ruhestandes“ – das schließt also bei Lehrern die gesamte berufliche Laufbahn im Schuldienst als Lernzeitraum mit ein. Lernen wird dabei als „konstruktives Verarbeiten von Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen“ verstanden. Neben Fachkompetenzen sei der Erwerb von Basiskompetenzen wie Lern-, Handlungs-, Sozialkompetenzen, personalen Kompetenzen und Teamfähigkeit von zentraler Bedeutung für die „Bewältigung von praktischen Lebens- und Arbeitsanforderungen“ (15).

Gemäß dem Neurobiologen, Arzt und Psychotherapeuten Joachim Bauer gibt es für Lehrer darüber hinaus eine Schlüsselkompetenz, die ebenfalls der permanenten Reflexion und Förderung bedarf: „Sie müssen Beziehungskünstler sein“, so Bauer auf dem Bildungstag 2012 in Aachen. Dem liegt der Gedanke zugrunde, dass der Aufbau und die Pflege einer zwischenmenschlichen Beziehung, die durch Anerkennung, Zugewandtheit und Vertrauen geprägt ist, Basis für jede konstruktive fachliche und persönliche Interaktion zwischen Schüler und Lehrer ist. Oder mit anderen Worten: Ohne eine gute Beziehung läuft nichts. Das heißt nicht, dass ein Lehrer wie ein Kumpel sein oder als Elternersatz einspringen sollte. Ein Lehrer ist ein Lehrer. Aber er ist auch nicht nur ein Fachvermittler, sondern ein Mensch mit vielen Facetten – in einem lebenslangen Lernprozess -, der mit einem Lehr- und Erziehungsauftrag auf Gruppen ganz individueller junger Menschen mit ebenso vielen Facetten trifft, die er zu einem lebenslangen Lernprozess anleiten soll. Und zwischen diesen Menschen, die so viel Lebenszeit miteinander verbringen, entsteht – ob man diese nun aktiv konstruktiv gestaltet oder nicht – eine menschliche Beziehung. Für beide, Lehrer und Schüler, findet lebenslanges Lernen also nicht nur auf der fachlichen Ebene statt. Beide, Schüler und Lehrer, halten in ihrem Miteinander jeweils etwas für ihren lebenslangen Beziehungslernprozess bereit: der Lehrer kann seine Schüler zu lebenslangem Beziehungslernen anleiten, indem er ihn bei der Entwicklung der dafür nötigen sozialen und emotionalen Kompetenzen unterstützt. Und die unglaubliche Vielfalt an Schülerpersönlichkeiten, mit der ein Lehrer täglich umgehen muss/darf/kann/sollte, gibt ihm immer wieder die Chance noch beziehungskompetenter zu werden, oder anders gesagt: je herausfordernder ein Lehrer die Begegnung mit einem Schüler empfindet, umso größer die Möglichkeit daran zu wachsen – also die Motive und Motivationen für Handlungen oder Äußerungen von Schülern verstehen zu lernen und Strategien zu entwickeln für beide Seiten gewinnbringend damit umzugehen… oder um die Terminologie der Bund-Länder-Kommission noch einmal aufzugreifen: Informationen und Erfahrungen konstruktiv zu Kenntnissen, Einsichten und Kompetenzen verarbeiten!

Lebenslanges Lernen ist – auch – Beziehungslernen und für Lehrer, die tagtäglich mit den unterschiedlichsten Arten von Menschen zu tun haben, ganz besonders! Fachlich, methodische und didaktische Kompetenzen sind wichtig und für den Lehrerberuf ein zentraler Bestandteil der lebenslangen professionellen Entwicklung und Verbesserung. Von mindestens genauso großer Bedeutung für soziale Professionen ist die Motivation für lebenslanges Beziehungslernen. Eins wissen wir alle, aber muss manchmal vielleicht noch mal gesagt werden: Keiner von uns ist perfekt! Noch nicht einmal trotz dass (oder weil) er Lehrer ist! 😉 Es zählt vor allem die Motivation für Selbstreflexion und die Bereitschaft für’s Dazulernen. Schüler werden das ganz sicher spüren und, wenn man sich mal „verrennt“, sicherlich toleranter und unterstützender sein, als wenn sie den Eindruck haben, dass eine Lehrkraft sich für unfehlbar hält. Auch bei der Entwicklung zum „Beziehungskünstler“ ist der Weg das Ziel!

Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (2004). Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland. Materialien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung. Heft 115. (http://www.blk-bonn.de/papers/heft115.pdf). 

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Kategorien:Beziehung gestalten, Beziehungsarbeit

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1 Antwort

  1. Passt ja auch zu den Hattie-Befunden, die den Lehrer als am wirksamsten beim Lernerfolg einstufen! Ich habe auch in den Seminaren in der Uni am meisten gelernt, in denen die Dozenten eine gute – und das war dann meist auch eine persönliche – Atmosphäre der Wertschätzung geschaffen haben. Wie wenige Seminare das allerdings waren, steht auf einem anderen Papier 😀

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