schule mit respekt.

teachers are respectable only as they respect

5 Minuten Beziehungsarbeit.

„Wer Kinder zu kompetenten, starken und selbstbewussten Persönlichkeiten erziehen will, muss in Beziehungen denken und in Beziehungsfähigkeit investieren. Das ist das Geheimnis einer Schulkultur, in der niemand als Verlierer zurückgelassen wird.“

(Gerald Hüther)

Dass es sich in einer guten Atmosphäre besser lernt, wissen wir alle. Aber wie schafft man diese Atmosphäre? Glaubt man Gerald Hüther, ist der Schlüssel die Beziehungsarbeit.

Aber dafür ist doch gar keine Zeit! Die nächste Klassenarbeit steht an, man hängt ohnehin schon im Zeitplan hinterher und hat gerade wirklich besseres zu tun als noch mit der Klasse pädagogische Gespräche zu führen! – Oder?

Zeit ist in der Tat ein wichtiger Faktor! Fast jeder Lehrer hat davon chronisch zu wenig und meistens spielen die Schüler gerade dann auch noch verrückt. Meine Erfahrung ist, dass es sich am Ende deutlich mehr lohnt, wenn man der Klasse häufiger mal zu Beginn der Stunde fünf Minuten Zeit schenkt. Fünf Minuten in denen die Schüler alles sagen können, was sie wollen. Fünf Minuten für gemeinsame Vereinbarungen und um Lösungen zu finden, wenn jemand eine Störung hat. Fünf Minuten, in denen man als Lehrer einfach zuhört und ehrliches Interesse zeigt, also in einen wirklichen menschlichen Kontakt mit seinen Schülern tritt. Auf diese Weise bekommt man nicht nur mit, wie die Stimmungen und zwischenmenschlichen Beziehungen in der Klasse sind und wo vielleicht Probleme sind, sondern vor allem merken die Schüler, dass sie als Mensch wichtig sind. Wer sich grundsätzlich angenommen fühlt, ist nicht nur lernbereiter, sondern trägt in der Regel auch automatisch zu einer positiven Atmosphäre bei. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man weiß, wie es einer Klasse geht und was ihre aktuellen zwischenmenschlichen ‚Themen‘ sind, während des Unterrichts deutlich weniger Störungen auftreten – und wenn doch, kann man viel zielgerichteter reagieren. Wenn man es schafft, diese fünf Minuten regelmäßig in Beziehungsarbeit investieren, spart man also eher Zeit, als dass man sie verliert!

Vertrauen lässt sich natürlich nicht erzwingen und es gibt sicherlich auch kein Non-plus-ultra-Rezept für ein perfektes 5-Minuten-Lehrer-Schüler-Gespräch. Aber wer aufrichtiges Interesse an seinen Schülern hat, ihnen offen und authentisch begegnet, den Schülern zutraut eigene Lösungen für ihre ‚Themen‘ zu finden, als Unterstützung bereitsteht und auch Anderssein respektiert, wird nicht nur Zeit und Energie sparen, sondern auch einen großen Schritt in Richtung einer guten Lernatmosphäre und einer vertauensvollen Schüler-Lehrer-Beziehung gehen.

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Kategorien:Beziehung gestalten, Beziehungsarbeit

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  1. Wunderbar, hier begegnen sich Menschen als Mensch und werden dadurch menschlich !
    Danke …

  2. Interessanter Gedanke. Ich würde prinzipiell zustimmen, frage mich aber, ob in den fünf Minuten von Schülerseite nicht vielleicht Themen angeschnitten werden könnten, deren Diskussion man nach fünf Minuten nicht einfach abbrechen kann. Zumal man als Lehrer ja häufig – ich denke da gerade an die Unterstufen – mit völlig konträren Perspektiven auf eine prekäre Situation konfrontiert wird und die Schüler erwarten, dass nun eine – auch noch gerechte! – Lösung gefunden wird. Dem kann man ja kaum gerecht werden. Vielleicht, denke ich, könnte man daher statt fünf Minuten ab und zu, auch z.B. alle zwei Wochen mal etwas mehr Zeit einräumen, um mit der Klasse über aktuelle Probleme zu sprechen. Das allerdings wird der Klassenlehrer ja normalerweise machen. Wollte ich nur mal zur Diskussion stellen 🙂

    • Natürlich lässt sich nicht alles in 5 Minuten abhandeln. Und wenn man die Türe erstmal öffnet, kann es schonmal sein, dass etwas hereinbricht, mit dem man überhaupt nicht gerechnet hat, was aber trotzdem einer Klärung bedarf. Zeit ist immer wieder ein großes Thema, vor allem, weil bisher sozialen Themen im Vergleich zu den fachlichen Themen wenig bis gar keine Zeit im Stundenplan eingeräumt wurde. Solange diese ‚Beziehungszeit‘ aber nicht fest im Stundenplan verankert ist, sollte in Extremfällen sicherlich der Klassenlehrer hinzugezogen werden. Bei bestimmten Themen kann man ja allerdings auch schon zu Beginn des Schuljahres im Klassenverbund Vereinbarungen treffen und gemeinsam besprechen, was man tun kann, um diese einzuhalten und wie die Konsequenzen bei Nichteinhaltung aussehen. Dann reichen im Verlauf des Schuljahres im Regelfall die 5 Minuten aus, um daran zu erinnern. 🙂

  3. moin, hab deinen boleintrag gerade in meinem verlinkt! passte gut zusammen..

Trackbacks

  1. Machtgebrauch. | schule mit respekt.

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