schule mit respekt.

teachers are respectable only as they respect

Respectus.

Respekt, was bedeutet das eigentlich? Jeder findet dafür wahrscheinlich seine eigene Definition, besonders wenn er dabei an seine Schulzeit denkt. Der Eine erinnert sich vielleicht an die Art erfürchtigen Respekt, die er gegenüber dem strengen Mathelehrer empfand; dem Nächsten fallen die Begegnungen mit dem Rektor ein, bei dem sich selbst der mutigste Haudegen benahm – schon allein, weil ‚man‘ Autoritäten respektiert (oder respektieren sollte). Und wieder ein Anderer denkt vielleicht an die Diskussion um die Frage, ob das religiös motivierte Tragen eines Kopftuchs im Schuldienst toleriert werden soll. Vielleicht kommen einem aber auch Erinnerungen an einen Lehrer in den Sinn, der menschlich beeindruckt hat und für den man deshalb Anerkennung empfunden hat.

Die individuellen Respektskonzepte reichen demnach von Anerkennung, über Toleranz, Ehrerbietung gegenüber Autoritäten bis hin zu Angst. Die Bandbreite an Gefühlen, die eine subjektiv empfundene respektvolle Haltung potentiell auslösen kann, ist also riesig. Was genau bedeutet es dann, wenn Lehrer von ihren Schülern respektvolles Verhalten verlangen? Bernhard Bueb  (‚Lob der Diszplin‘, 2010) würde hier wahrscheinlich für das Wiederauflebenlassen der Anerkennung altehrwürdiger Autoritäten plädieren. Aber ist dieser Respektsbegriff noch zeitgemäß? Nicht selten ruft das Forcieren von Machtgefällen in der heutigen Zeit extreme Reaktionen hervor: entweder erwächst aus Ehrfurcht Angst und Hemmung, die für das Lernen wahrlich nicht hilfreich sein kann. Oder aber die pubertierenden Jugendlichen werden erst recht aufmüpfig und fordern auf diese Weise Aufmerksamkeit ein – sicherlich nicht zuletzt deswegen, weil sie sich ebenfalls alles andere als respektiert und gesehen fühlen. Hier handelt es sich aber um eine andere Art von Respekt: Schüler wollen ernst genommen, angenommen und wertgeschätzt werden.

Die Etymologie geht Hand in Hand mit ebendieser Vorstellung von Respekt. Der Begriff ist vom dem lateinischen respectus abgeleitet, was „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“ bedeutet. Im übertragenen Sinne könnte das also heißen: Wenn ich einem Menschen mit Respekt begegne, sehe ich ihn, wie er ist, mit all seinen Stärken und Schwächen, nehme auf seine Einzigartigkeit Rücksicht und berücksichtige sein Denken und Handeln, indem ich es ernst und für voll nehme. Das heißt sicher nicht, dass man immer alles gut heißen muss, was der andere tut, sagt oder wie er denkt, sondern eher dass man seine ganz persönliche Weise achtet und seinen individuellen Wert zu schätzen weiß. Ich wünsche mir, dass dieser Respektsbegriff in den Schulen hochgehalten wird: gegenseitige Achtung, Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Ich meine, jeder der Beteiligten darf das von dem Anderen erwarten – Schüler von ihren Lehrern und umgekehrt – und jeder sollte bereit sein, seine eigene Haltung zu überprüfen.

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Kategorien:Beziehung gestalten, Beziehungsarbeit

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  1. Interessanter Gedankengang. Ich glaube, dass viele Lehrer sich dieses Prinzip der Wechselseitigkeit von Respekt und Anerkennung gar nicht bewusst machen. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil so etwas ja in der Lehrerausbildung völlig vernachlässigt wird. Geht man davon aus, dass nicht jeder Lehrer automatisch eine derart pädagogische Persönlichkeit ist, die sich bei entsprechender Reflektion im obigen Sinne respektvoll den Schülern gegenüber verhält, dann wäre es in einem weiteren Schritt interessant, sich damit auseinanderzusetzen, wie man das konkret im Klassenraum verwirklichen kann. Denn in etlichen Situationen muss man als Lehrer ja blitzschnell reagieren, und zwar ohne dabei noch groß nachdenken zu können,

  2. Kluge Gedanken … Respekt, Achtung und Wertschätzung der menschlichen Persönlichkeiten seitens der Lehrer und seitens der Schüler… nicht als Fronten sondern als Kooperationsgemeinschaft …
    lernen am Modell … welche Modelle haben Lehrer und welche haben Schüler?

    Bin gespannt, was hier weiter gedacht wird und ob daraus konkrete Handlungsoptionen erwachsen … messbar, wahrnehmbar, spürbar

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